Der Knacks

Der Knacks

Ein Melodram von Jan Müller-Wieland und Roger Willemsen in Zusammenarbeit mit dem Ensemble Resonanz

Die Klassische Musik der letzten beiden Jahrhunderte ist nicht zuletzt Mitteilung von Brüchen. Ihre innere Plausibilität erhält sie immer wieder aus der Erfahrung des Diskontinuierlichen, Disharmonischen und Widerstreitenden. Diese prägt die Wahrnehmung der Verhältnisse unter den Menschen, ebenso wie die ihrer Lebensräume. So wird Klassische Musik gewissermaßen zum Medium, in dem Brüche aus der Latenz treten.
„Der Knacks“ lenkt die Aufmerksamkeit auf dieses Phänomen in Psychologien, Lebensgeschichten, in der Landschaft, der Stadt, in den Künsten. Alle erhalten ihre Wunde. Alle scheitern, alle brechen oder werden schließlich von Erfahrungen der Niederlage und der Vereitelung, der Entsagung, wenn nicht der Resignation ereilt. Mancher erhält seinen Knacks durch einen Verlust, einen Schmerz, einen Schrecken, ein Trauma, und man unterstellt gern, eine Persönlichkeit bilde sich als Konsequenz einer Folge von einzelnen, bestimmenden Situationen, am Anfang seelischer Veränderungen stünde meist ein spezifisches Ereignis, ein Triumph, eine Entscheidung, ein Schock. Gewiss liegen hier neuralgische Punkte der Entwicklung in jedem Leben, Momente, in denen das Leben seine Bewegung verlangsamt, die Richtung ändert, sich die Farbe der Erfahrung eintrübt oder aufhellt.
Doch andererseits gibt es eine namenlose und auf kein einzel-nes Ereignis zu bringende Veränderung des Lebens, einen Prozess des Reifens, Dunkelns, Ausbleichens, der Farb- und Temperaturwechsel, des Umschlagens von Dur zu Moll. Man kann diese Entwicklung nur rückblickend erkennen, sie findet dann Ausdrücke wie: „Nichts sollte mehr sein wie zuvor“, „ich sollte nie wieder so froh sein“ etc.
Eben weil sich im Medium der Musik Brüche, unmerkliche Veränderungen, Transformationen, Metamorphosen, ja selbst ein Nachlassen von Vitalität und Dynamik ausdruckshaft fassen lassen, bietet sich eine musikalische Bearbeitung des Themas an – aber nicht als „Vertonung“ von Texten, sondern als eine Folge von Korrespondenzen, die zwischen Text und Musik gesponnen werden und eine Vertiefung der ästhetische Reflexion ermöglichen. Auf dieser Basis enstand die gemeinsame Arbeit mit Jan Müller-Wieland, dem Ensemble Resonanz und Roger Willemsen. Uraufgeführt wurde das Werk 2010 auf dem Bonner Beethovenfestival. Es kam seither verschiedentlich zur Aufführung.

Zur Bücherseite