Die Perücken trügen

Die Perücken trügen. Ein Barock-Wettstreit

Von und mit Daniel Hope und Roger Willemsen

Konservative sollen sie angeblich sein, in Formen und Traditionen Erstarrte - Komponisten, denen man noch keine Unverwechselbarkeit zuschreiben könne, Autoren, die sich von Fürst und Kirche als Geiseln haben nehmen lassen: So das verbreitete Bild jener Kunstschaffenden aus dem Anfang der Neuzeit, die uns unter ihren Perücken, aus ihren maskenhaft geschminkten Zügen oft so herausfordernd ansehen. Komponisten und Dichter des Barock werden oft noch betrachtet, als gehörten sie einer Zeit an, in der sich die Kunst nicht zur Individualität emanzipiert hatte. War aber denn nicht auch das Barock Aufbruch in eine neue Zeit, war es nicht Epoche der Brüche und kühnen Neuerungen, war es nicht auch Jugendbewegung und Revolte?
Von zwei Seiten aus – Daniel Hope auf dem Feld der Musik, Roger Willemsen auf dem Feld der Dichtung – machen sich zwei Liebhaber der Epoche auf, um Ungehörtes und Unerhörtes zu auszugraben, zu erläutern und interpretieren. Einen vergleichba-ren Versuch hat es so wohl noch nicht gegeben: die parteiische Darstellung einer Zeit in der Zusammenschau ihrer musikalischen und poetischen Ausdrucksformen, inszeniert wie der Wettstreit zweier Kunstformen einer Epoche.
Auf der Bühne halten Hope und Willemsen ihre Versionen der Zeit gegeneinander, Hope, darstellend und spielend, begleitet von einem kleinen Ensemble, Willemsen erläuternd und lesend, und dabei suchen beide im lebendigen, auch improvisierten Austausch das Gesicht unter den Perücken, das radikale, derbe, komische, kühne, das frische Bild des Barock.