Auf dem Schweigen einen Fleck hinterlassen

Roger Willemsen starb am 7.2. 2016. Wie von Roger Willemsen gewünscht, war die Trauerfeier in Hamburg eine öffentliche Veranstaltung. Mit der Veröffentlichung dieser Ansprache soll das nun fortgesetzt werden.

»Sich und seine Leser aussetzen, um der Welt nicht ausgesetzt zu sein.« Oliver Vogel, Programmleiter im S. Fischer Verlag, erkundet in seiner Trauerrede den hippokratischen Eid von Roger Willemsens Schreiben – und stößt auf die »Isla Rogers«, die noch hinter dem Ende der Welt liegt.

Liebe Frau Willemsen, 
liebe Eva, liebe Emma, lieber Jan, 
liebe Freunde von Roger,

am sechzigsten Geburtstag von Roger wollte ich eine Rede halten. Das Fest fiel aus und auch die Rede. Ich weiß nicht, ob ich damals die richtigen Worte gefunden hätte, aber ich hätte gewusst: Roger ist dabei, es kann mir nichts passieren. 

1994 hat Roger ein Buch veröffentlicht, es hieß ›An der Grenze‹. Es enthielt Gespräche mit Mördern, Gewaltopfern und Todeskandidaten. ›An der Grenze‹ ist eine mögliche Überschrift für all das, was er getan hat in Schrift und Tat. Er ging den Weg an die Grenze. Als ich überlegte, was das heißt – ›An der Grenze‹ – fiel mir ein Disput ein, ein Disput, wie er immer wieder vorkommt, zwischen Autoren und Verlag, wie er aber in der Arbeit mit Roger eher selten war. Es ging um einen Buchtitel. 

Roger wollte das Begegnungsbuch ›Gute Tage‹ ›Die Menschenmöglichen‹ nennen. Wir wollten diesen Titel damals nicht. Später haben wir das anders gesehen. Denn genau das, das Menschenmögliche, zeichnete Roger und sein Schreiben aus: Er ist stets an seine Grenzen gegangen, und es waren immer die Grenzen dessen, was menschenmöglich ist. Dass er die Menschen, mit denen er sprach, in all ihren Möglichkeiten zu verstehen, zu erfassen suchte, ja dass er im Zuge dessen in schönster Wechselwirkung auch die vielfältigen Möglichkeiten dieser Menschen erweitert hat, weiß jeder, der ihn einmal erlebt hat. 

Roger hörte nicht auf, auch nicht vor der größten Schönheit. Er kehrte nicht um, auch nicht vor dem größten Schrecken. Er setzte sich aus, als wäre die Welt, auch an ihren Enden, ein immer lohnender Ort, als wären Kamtschatka, der Nordpol, selbst die äußersten und traurigsten Ränder noch Orte, an denen das Leben lebenswert ist. 

Zur vollständigen Rede auf hundertvierzehn.de

Copyright Autorenfoto: Mathias Bothor

Wer wir waren
Roger Willemsen - Wer wir waren

Roger Willemsens letztes Buch sollte ›Wer wir waren‹ heißen. Es sollte die Versäumnisse der Gegenwart aus der Perspektive derjenigen erzählen, die nach uns leben werden. Dieses Buch werden wir nie lesen können. Umso stärker wirkt eine Rede, die Roger Willemsen noch im Juli 2015 gehalten hat: Sie ist nicht nur das melancholische Resümee und die scharfe Analyse eines außergewöhnlichen Zeitgenossen, sondern zugleich das leidenschaftliche Plädoyer für eine »Abspaltung aus der Rasanz der Zeit«. Sie ist ein Aufruf an die nächste Generation, sich nicht einverstanden zu erklären.
Roger Willemsen hat diese Rede am 24. Juli 2015 gehalten. Es war sein letzter öffentlicher Auftritt.

»Wir waren jene, die wussten, aber nicht verstanden, voller Informationen, aber ohne Erkenntnis, randvoll mit Wissen, aber mager an Erfahrung. So gingen wir, von uns selbst nicht aufgehalten.«
Roger Willemsen



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